Micron Document
____ _ _ _ _
| _ \ ___ | |_ (_) _ __ ___ __| | (_) __ _
| |_) | / _ \ | __| | | | '_ \ / _ \ / _| | | | / _ |
| _ < | __/ | |_ | | | |_) | | __/ | (_| | | | | (_| |
|_| \_\ \___| \__| |_| | .__/ \___| \__,_| |_| \__,_|
|_|


The NomadNet German Wikipedia | Archives | Info
- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b

🔍 Search

ÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻ

Sumpfdotterblume
──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────
top
Die Sumpfdotterblume (Caltha palustris), auch Sumpf-Dotterblumecite-ref-floraweb-1-0[1] geschrieben, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Dotterblumen (Caltha) innerhalb der Familie der HahnenfußgewĂ€chse (Ranunculaceae). Sie ist auf der Nordhalbkugel in Eurasien und Nordamerika weit verbreitet.

Contents

‱ BlĂŒte
‱ Krankheiten
‱ Vorkommen
‱ Taxonomie
‱ Geschichte
‱ Literatur
‱ Weblinks

──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────

Beschreibung

Erscheinungsbild und Blatt

Die Sumpfdotterblume ist eine sommergrĂŒne, ausdauernde, krautige Pflanze, die je nach Standort Wuchshöhen zwischen 15 und 60 Zentimetern erreicht.cite-ref-floraweb-1-1[1] Als Speicherorgan dient ein krĂ€ftiges Rhizom. Die bogig aufsteigenden bis aufrechten, hohlen und kahlen StĂ€ngel sind im oberen Bereich verzweigt.cite-ref-floraweb-1-2[1]

Die grundstĂ€ndigen LaubblĂ€tter sind lang gestielt; weiter oben am StĂ€ngel sitzende LaubblĂ€tter weisen dagegen fast keinen Blattstiel auf. Die dunkelgrĂŒnen, oft glĂ€nzenden Blattspreiten sind bei einem Durchmesser von bis zu 15 Zentimetern herz- bis nierenförmig, ungeteilt und am Rand gekerbt.cite-ref-floraweb-1-3[1]

BlĂŒte

Die BlĂŒten erscheinen schon ab MĂ€rz am Ende des ErstfrĂŒhlings und blĂŒhen je nach Standort bis April oder Juni. Gelegentlich kommt es im Zeitraum von Juli bis Oktober zu einer schwĂ€cheren ZweitblĂŒte. An jedem StĂ€ngel befinden sich meist mehrere BlĂŒten. Die zwittrigen BlĂŒten sind radiĂ€rsymmetrisch. Die BlĂŒtenhĂŒlle besteht in der Regel aus fĂŒnf breit ovalen PerigonblĂ€ttern, die bis zu 2 Zentimeter lang sind. Ein BlĂŒtenkelch ist nicht vorhanden. Es sind zahlreiche gelbe StaubblĂ€tter vorhanden. Es sind fĂŒnf bis fĂŒnfzehn eng stehende, freie FruchtblĂ€tter vorhanden. Die NektardrĂŒsen befinden sich jeweils am Grunde der FruchtblĂ€tter.cite-ref-floraweb-1-4[1]

Frucht und Samen

Aus jedem befruchteten Fruchtblatt entwickelt sich eine schlanke Balgfrucht, wobei die reifen BalgfrĂŒchte sternförmig angeordnet sind. Die reifen dunkelbraunen Samen sind etwa 2,5 Millimeter lang und in den BalgfrĂŒchten zweireihig angeordnet.

Chromosomensatz

Die Chromosomengrundzahl betrĂ€gt x = 8. Der Ploidiegrad reicht von diploid bis dekaploid und es wurden Chromosomenzahlen von 2n = 16, 32, und 24–80 ermittelt.cite-ref-floraweb-1-5[1]cite-ref-oberdorfer2001-2-0[2]cite-ref-biolflor-3-0[3]

Ökologie

Bei der Sumpfdotterblume handelt es sich um einen Hemikryptophyten.cite-ref-biolflor-3-1[3]

BlĂŒtenökologie

Die einfachen SchalenblĂŒten sind aufgrund von Karotinoiden glĂ€nzend goldgelb. Auf den PerigonblĂ€ttern wurden nur fĂŒr UV-empfindliche Tiere sichtbare Bereiche nachgewiesen, die als Saftmale gedeutet wurden.cite-ref-strasburger2002-4-0[4] Die BlĂŒten enthalten sehr reichlich Pollen und Nektar. Die FremdbestĂ€ubung erfolgt durch KĂ€fer, Fliegen und Bienen, wobei insbesondere Schwebfliegen hĂ€ufig an den BlĂŒten zu beobachten sind. Bei Regen sind die BlĂŒten geöffnet und fĂŒllen sich mit Wasser. Die Staubbeutel und Narben stehen dann auf gleicher Höhe wie der Wasserspiegel in den BlĂŒten, so dass es zur SelbstbestĂ€ubung kommt (RegenbestĂ€ubung).

Ausbreitungsstrategien der Sumpfdotterblume

Die Sumpfdotterblume ist in idealer Weise an eine Ausbreitung mit Hilfe von Wasser angepasst. Wie bei vielen anderen HahnenfußgewĂ€chsen trocknen mit zunehmender Reifung die dĂŒnnen FruchtwĂ€nde der BalgfrĂŒchte aus und öffnen sich allmĂ€hlich entlang ihrer Bauchnaht. Geschlossen bleibt jedoch der untere Bereich dieser Balgfrucht. Dieser öffnet sich erst, wenn die Balgfrucht durch Regen oder BerĂŒhrung mit Wasser aufquillt.

Die Samen der Sumpfdotterblumen sind im unreifen Zustand mit kleinen, kurzen Stielen an der Fruchtwand befestigt. Sind die Samen reif, trocknet dieser Stiel ab. Die sternförmig angeordneten BalgfrĂŒchte sind ausgereift nach oben gerichtet. Treffen Regentropfen auf diese FrĂŒchte, werden die losen Samen durch die aufprallenden Regentropfen herausgeschwemmt und ausgebreitet. Aufgrund dieses Verbreitungsmechanismus zĂ€hlt man die Sumpfdotterblume zu den Regenschwemmlingen (so genannte Ombrochorie).

Die Samen der Sumpfdotterblume sind außerdem schwimmfĂ€hig (so genannte Nautochorie). Sie sind mit einem Schwimmgewebe versehen, das aus lufthaltigen HohlrĂ€umen besteht und das die Samen an der WasseroberflĂ€che hĂ€lt. Mit Hilfe dieses Verbreitungsmechanismus sind Sumpfdotterblumen in der Lage, sich entlang der Ufer eines GewĂ€ssers auszubreiten.

Krankheiten

Die Sumpfdotterblume wird von den Rostpilzen Puccinia calthae und Puccinia calthicola mit Spermogonien und Telien befallen.cite-ref-zwetko-5-0[5]

Vorkommen

Die Sumpfdotterblume ist in Europa, dem gemĂ€ĂŸigten und nördlichen Asien sowie dem nördlichen und arktischen Nordamerika weitverbreitet. Sie zĂ€hlt damit zu den zirkumpolar vertretenen Pflanzenarten. In Europa ist sie nördlich bis nach Island und im arktischen Russland verbreitet.

Die Sumpfdotterblume wĂ€chst in Sumpfwiesen, an Quellen, BĂ€chen und GrĂ€ben. Sie ist außerdem in Bruch- und AuenwĂ€ldern zu finden. Wechselnden Wasserstand vertrĂ€gt sie gut. Die Feuchtezahl (F-Zahl) in der neunstufigen Skala nach Ellenberg betrĂ€gt 8. HĂ€ufige Begleitpflanzen der Sumpfdotterblume sind MĂ€desĂŒĂŸ, Kohldistel, Schlangen-Knöterich, Sumpfvergissmeinnicht, Kuckuckslichtnelke sowie Schwarzerlen. Pflanzensoziologisch ist Caltha palustris die namensgebende Verbandscharakterart der Sumpfdotterblumenwiesen (Calthion palustris). Das sind nĂ€hrstoffreiche Nasswiesen und Hochstaudenfluren feucht-nasser Standorte. Ferner ist sie Begleitart in ErlenbruchwĂ€ldern (Alnion), in Hartholz-AuwĂ€ldern (Alno-Ulmion) und in Röhrichten (Gesellschaften der Phragmitetalia) sowie der Quellfluren (Montio-Cardaminetalia).

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 5w (ĂŒberschwemmt, aber mĂ€ĂŸig wechselnd), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 3 (montan), NĂ€hrstoffzahl N = 3 (mĂ€ĂŸig nĂ€hrstoffarm bis mĂ€ĂŸig nĂ€hrstoffreich), KontinentalitĂ€tszahl K = 3 (Subozeanisch bis subkontinental).cite-ref-infoflora-6-0[6]

In den AllgÀuer Alpen steigt sie am Rappensee in Bayern bis in eine Höhenlage von 2047 Meter auf.cite-ref-d-rr-lippert-7-0[7]

Das Wappen der Gemeinde Bebensee zeigt u. a. eine Sumpfdotterblume.

GefÀhrdung

Zu BestandsrĂŒckgĂ€ngen der Sumpfdotterblume kommt es, wenn nasse Wiesen trockengelegt, BachlĂ€ufe begradigt und GrĂ€ben eingedolt (verrohrt) werden. Die Stallhaltung von Milchvieh, bei der die KĂŒhe mit siliertem Gras gefĂŒttert werden, hat indirekt auch zu BestandsrĂŒckgĂ€ngen gefĂŒhrt. Zur Vereinfachung der maschinellen Mahd wurden die Wiesen planiert und damit Senken und Mulden beseitigt, die aufgrund des sich dort ansammelnden Wassers den Pflanzen gute Standortbedingungen boten. Die Sumpfdotterblume ist in Deutschland derzeit nur auf den Roten Listen Niedersachsens, Brandenburgs, Berlins und Hamburgs als gefĂ€hrdete Art eingestuft, ist jedoch bundesweit im RĂŒckgang begriffen.

Taxonomie

Die Erstveröffentlichung von Caltha palustris erfolgte 1753 durch Carl von LinnĂ©. Ein Synonym fĂŒr Caltha palustris L. ist Caltha polypetala Hochst. ex Lorent.cite-ref-grin-8-0[8] Das Artepitheton palustris leitet sich vom lateinischen Wort palus fĂŒr „Sumpf“ ab und weist darauf hin, dass die Sumpfdotterblume an feuchten Standorten zu finden ist.

Die Sumpfdotterblume als Gartenpflanze

Seitdem es ĂŒblich geworden ist, auch in PrivatgĂ€rten Teiche oder WassergrĂ€ben anzulegen, ist die Sumpfdotterblume auch im Gartenhandel erhĂ€ltlich. GĂ€rtnerische BemĂŒhungen haben dabei auch einige Sorten hervorgebracht, die sich von der ursprĂŒnglichen Art unterscheiden:

‱ Caltha palustris ‘Monstrosa’ ist eine Art mit pomponartig gefĂŒllten gelben BlĂŒten
‱ ebenfalls gefĂŒllte gelbe BlĂŒten weist die Sorte Caltha palustris ‘Flore Pleno’ auf
‱ ungefĂŒllte BlĂŒten in der Farbe Weiß besitzt die Sorte Caltha palustris var. alba

Das reiche Insektenleben an der Sumpfdotterblume sowie ihr interessanter Fortpflanzungsmechanismus ĂŒber BalgfrĂŒchte lassen sich nur an ungefĂŒllten Sorten und am besten an der ursprĂŒnglichen Art beobachten.

Die Sumpfdotterblume als Giftpflanze

Sumpfdotterblumen sind als schwach giftig bis giftig einzuordnen. Vergiftungserscheinungen sind vor allem auf enthaltene Anemonine, Saponine, Aporchinalkaloide (u. a. Magnoflorin) und Triterpenlacone (u. a. Caltholid) zurĂŒckzufĂŒhren. Bei empfindlichen Menschen kann es zu Vergiftungserscheinungen bereits durch den Ă€ußerlichen Kontakt mit der Pflanze kommen, wodurch die Haut und die SchleimhĂ€ute gereizt werden. Dies kann nach vier bis fĂŒnf Stunden zu Ausschlag und gelegentlich zu Anschwellungen im Gesicht fĂŒhren.

Der Verzehr von Bestandteilen der Sumpfdotterblume kann zu Schwindel, Erbrechen und KrĂ€mpfen sowie Wassereinlagerungen fĂŒhren. Je nach Schwere der Vergiftung durch Verzehr von Pflanzenbestandteilen gehört zu den Gegenmaßnahmen das Auslösen von Erbrechen, die Einnahme von Aktivkohle sowie MagenspĂŒlungen.

Getrocknet als Bestandteil von Heu oder Silage sind Sumpfdotterblumen nicht giftig.cite-ref-9[9]

Verwendung als Nahrungs- und Genussmittel

Weidevieh vermeidet das Fressen von Sumpfdotterblumen.

Trotz der Giftigkeit der Pflanze wurde die Sumpfdotterblume in der Vergangenheit als Nahrungsmittel, FĂ€rbepflanze fĂŒr Milchprodukte sowie als Genussmittel verwendet. Die BlĂ€tter der Sumpfdotterblume wurden traditionell in der spanischen KĂŒche als SalatgrĂŒn eingesetzt. In der englischen KĂŒche wurde sie zur Verfeinerung bzw. geschmacklichen FĂ€rbung von Landwein und Essig eingesetzt. Die Knospen der scharf schmeckenden Pflanze wurden in Notzeiten als Kapernersatz gehandelt, haben heute als LebensmittelverfĂ€lschungen aber kaum noch Bedeutung.cite-ref-gew-rzseiten-10-0[10]

Werden die Pflanzenbestandteile gekocht, reduziert sich die Giftigkeit. HĂ€ufig wurde deshalb mindestens ein zweimaliger Wechsel des Kochwassers empfohlen.

Als essbar wurden frĂŒher auch die gekochten Wurzeln sowie die noch nicht aufgeblĂŒhten Knospen angesehen. Die BlĂŒtenknospen wurden dabei in Essig eingelegt und als Kapernersatz gegessen. Sie wurden als „Deutsche Kapern“ bezeichnet. Aufgrund des Anemonin-Gehalts kann es nach reichlichem Genuss solcher „Kapern“ zu Erbrechen, Durchfall und Hautausschlag kommen. Aus heutiger Sicht sollte man auf den Verzehr von Bestandteilen der Sumpfdotterblume verzichten.

Geschichte

In der römischen und griechischen Antike war die Sumpfdotterblume als Heilpflanze nicht bekannt. Als «muß blume» wurde sie erstmals in einer ElsĂ€sser Handschrift aus der Mitte des 15. Jh. erwĂ€hnt.cite-ref-els-sserhandschrift-12-0[12] Hier wurde das aus den Blumen gebrannte Wasser zur Behandlung von „dorren augen geswer“ empfohlen. Hieronymus Brunschwig ĂŒbernahm diese Angaben in sein Kleines Destillierbuch. Er nannte die Sumpfdotterblume «moß blĆŻmen», «gel mey blĆŻmen» und «dutter blĆŻmen».cite-ref-brunschwig1500-13-0[13]

In seinem im Jahre 1539 erschienenen KrĂ€uterbuch deutete Hieronymus Bock die Sumpfdotterblume als «chrysanthemon» des Dioskurides, welches bei den Römern auch «caltha» genannt wurde.cite-ref-bock1539-14-0[14] In dem Werk schreibt Bock weiter: „Die Kinder haben ihre kurzweil und freude mit disen schönen Goldblumen. Werden jezunder nit sonders inn der Arznei gebraucht.“cite-ref-hieronymus-bock-15-0[15] Bock ĂŒbernahm die bei Dioskurides angegebenen Indikationen: 1. Die fein zerriebenen BlĂŒten mit Wachssalbe verteilen HautgeschwĂŒlste. 2. Das Kraut mit den BlĂŒten nach einem Dampfbade in Wein getrunken vertreibt Gelbsucht.

Das «chrysanthemon» des Dioskurides wird heute als Kronenwucherblume gedeutet.cite-ref-berendes1902-16-0[16]cite-ref-17[17]cite-ref-18[18]

In der eigentlichen Volksmedizin wurde die Sumpfdotterblume nur vereinzelt als Heilpflanze verwendet. Die krautigen Bestandteile wurden in Mitteleuropa frĂŒher bei Hauterkrankungen und Menstruationsstörungen eingesetzt. In Russland wurde sie als harntreibendes und abfĂŒhrendes Mittel gebraucht. Die frischen BlĂ€tter wurden auch als Wundheilmittel angesehen und bei Insektenstichen aufgelegt, des Weiteren soll sie durch ihre Eigenschaft als feuchte Sumpfpflanze trockene Verletzungen wie KnochenbrĂŒche, Raucherlunge oder schorfige Wunden kurieren können. In der evidenzbasierten Medizin wird die Sumpfdotterblume nicht mehr genutzt; die heutige Verwendung der Pflanze bei HautausschlĂ€gen, Bronchialerkrankungen und Menstruationsbeschwerden beschrĂ€nkt sich nur noch auf die Homöopathie.

Trivialnamen

Weitere deutsche Trivialnamen spielen eher auf die goldgelbe BlĂŒtenfarbe an. Sie wird je nach Region auch als Schmalzblume, Butterblume, Eierblume, Wiesengold oder Goldrose bezeichnet. Der hĂ€ufigste volkstĂŒmliche Name ist jedoch Dotterblume. Im Breisgaucite-ref-m-ller-19-0[19] und in Teilen der Schweiz ist diese Pflanzenart unter dem Namen Bachbummele bekannt.

FĂŒr die Sumpfdotterblume bestehen bzw. bestanden, zum Teil auch nur regional, auch die weiteren deutschsprachigen Trivialnamen: Ankeballe (Berner Oberland), Ankenblume (Unterwald., Luzern), Bachblume (Bayern bei Kirchheim, Berner Oberland), Bachkappeln (WĂŒrttemberg), Beinblume, Botterblöme (Ostfriesland bis Altmark), Butterblume (Schlesien), Butterstriegel (Berner Oberland), Chrotabluama (St. Gallen), Dodderblömen (SiebenbĂŒrgen), Dotterblume, Drathblume (Sachsen), Dutterblume, Eierblume (St. Gallen), Filzkraut (Livland), GoldblĂŒmli (Appenzell), Goldbluama (St. Gallen), Goldblumen, Goldschmilhagel (Appenzell), Goldwiesenblumen, Golleke, deutsche Kapern, Kaublume (Göttingen), Kohlblume (KĂ€rnten bei Glödnitz), Kooblome (Norddeutschland, niederdeutsch), KĂŒhblume, KĂŒhschmirgeln (Schlesien), Kuhnblumen (Ostpreußen, Pommern, Mark Brandenburg), Kuhblume (Ostpreußen, Pommern, Mark Brandenburg), Mattenblumen, gel Maiblume, Moosblume (Berner Oberland), Mossblumen, die Mueterne (GraubĂŒnden), Muttere (GraubĂŒnden), Osterbluame (St. Gallen, Appenzell), großes PfĂ€ndla (Bayern bei Memmingen), Polpes (Eifel bei Bertrich), Polsterblume (Eifel bei Adenau), Riedrolle (GraubĂŒnden bei Sans.), Rossbluama (Oberrheintal), Ruckerzu (fĂŒr die gefĂŒllte Variante, Bayern), Schirmle (Bayern bei Kirchheim), Schmalzbleaml (Tirol im Pongau und Pinzgau), große Schmalzblum (Bayern), Schmalzknollen (Tirol), Schmeerblume, Schmerbel, Schmergeln (Schlesien), Schmirgeln (Schlesien), Schmirbla (St. Gallen im Toggenburg), Schöaleken (Göttingen, Grubenhagen), Wasserschmalzbluoma (St. Gallen bei Sargans), Wasservogelblumen (Bayern im Donauried, Schwaben bei Holzheim) und Wiesenblumen.cite-ref-pritzel1882-20-0[20]

Die Sumpfdotterblume im Aberglauben

Wie viele andere FrĂŒhlingspflanzen galt auch die Dotterblume bei vielen Völkern als DĂ€monen abwehrend. An Walpurgis gesammelt und vor die TĂŒr des Viehstalles gestreut, sollte sie die Hexen abhalten. Man gab sie auch dem Vieh zu fressen, damit die Butter das ganze Jahr eine schöne, gelbe Farbe hat. In DĂ€nemark, Schweden und in Irland galt die (an Walpurgis bzw. Georgi gesammelte) Pflanze ebenfalls als zauberkrĂ€ftig.

Blume des Jahres 1999

Die Sumpfdotterblume wurde in Deutschland zur „Blume des Jahres 1999“ gewĂ€hlt. Mit dieser Wahl sollte stellvertretend auf den Artenverlust aufmerksam gemacht werden, der durch die Begradigung von BĂ€chen und die Trockenlegung vormals feuchter Wiesen und Niedermoore entsteht.

Literatur

‱ Oskar Sebald: Wegweiser durch die Natur. Wildpflanzen Mitteleuropas. ADAC Verlag, MĂŒnchen 1989, ISBN 3-87003-352-5.
‱ Angelika LĂŒttig, Juliane Kasten: Hagebutte und Co. BlĂŒten, FrĂŒchte und Ausbreitung europĂ€ischer Pflanzen. Fauna-Verlag, Nottuln 2003, ISBN 3-935980-90-6.
‱ Andreas Alberts, Peter Mullen: Giftpflanzen in Natur und Garten. Bestimmung, Giftwirkung, Erste Hilfe. Extra: Giftige Zimmerpflanzen. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2003, ISBN 3-440-09550-9.
‱ Peter Sitte, Elmar Weiler, Joachim W. Kadereit, Andreas Bresinsky, Christian Körner: Lehrbuch der Botanik fĂŒr Hochschulen. BegrĂŒndet von Eduard Strasburger. 35. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2002, ISBN 3-8274-1010-X.
‱ Manfred Bocksch: Das praktische Buch der Heilpflanzen – Kennzeichen, Heilwirkung, Anwendung, Brauchtum. BLV, MĂŒnchen 2003, ISBN 3-405-14937-1.
‱ Vagn J. Brþndegaard. Ethnobotanik. Pflanzen im Brauchtum, in der Geschichte und Volksmedizin. Mensch und Leben, Berlin 1985, S. 2–3: Butterorakel.

Weblinks

Wiktionary: Sumpfdotterblume

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Commons

: Sumpfdotterblume (

Caltha palustris

)

– Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

‱ Sumpfdotterblume. In: BiolFlor, der Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland.
‱ Steckbrief und Verbreitungskarte fĂŒr Bayern. In: Botanischer Informationsknoten Bayerns.
‱ Caltha palustris L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am 16. Oktober 2015.
‱ Thomas Meyer: Datenblatt mit BestimmungsschlĂŒssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben)
‱ Datenblatt Caltha palustris mit Verbreitung in Portugal bei flora-on.pt.
‱ Datenblatt Caltha palustris bei Flora Vascular.
‱ Die Giftpflanze Sumpfdotterblume bei giftpflanzen.com.

Einzelnachweise

cite-note-floraweb-11. ↑ Caltha palustris L., Sumpf-Dotterblume. auf FloraWeb.de
cite-note-oberdorfer2001-22. ↑ Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora fĂŒr Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Seite 395. Stuttgart, Verlag Eugen Ulmer, 2001. ISBN 3-8001-3131-5
cite-note-biolflor-33. ↑ Sumpfdotterblume. In: BiolFlor, der Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland.
cite-note-strasburger2002-44. ↑ Peter Sitte, Elmar Weiler, Joachim W. Kadereit, Andreas Bresinsky, Christian Körner: Lehrbuch der Botanik fĂŒr Hochschulen. BegrĂŒndet von Eduard Strasburger. 35. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2002, ISBN 3-8274-1010-X, S. 771.
cite-note-zwetko-55. ↑ Peter Zwetko: Die Rostpilze Österreichs. Supplement und Wirt-Parasit-Verzeichnis zur 2. Auflage des Catalogus Florae Austriae, III. Teil, Heft 1, Uredinales. (PDF; 1,8 MB).
cite-note-infoflora-66. ↑ Caltha palustris L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am 29. MĂ€rz 2022.
cite-note-d-rr-lippert-77. ↑ Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des AllgĂ€us und seiner Umgebung. Band 1, IHW, Eching 2001, ISBN 3-930167-50-6, S. 521.
cite-note-grin-88. ↑ Caltha palustris im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 12. MĂ€rz 2015.
cite-note-99. ↑ http://www.giftpflanzen-fuer-pferde.de/Sumpfdotterblume.htm
cite-note-gew-rzseiten-1010. ↑ GewĂŒrzseiten: Kaper (Capparis spinosa L.). Abgerufen am 6. Dezember 2012
cite-note-111. Vitus Auslasser 1479 (Bildlink)
cite-note-els-sserhandschrift-1212. ↑ Heidelberg Cpg 226, Elsass 1459-1469, Blatt 105r (Digitalisat)
cite-note-brunschwig1500-1313. ↑ Hieronymus Brunschwig: Kleines Destillierbuch. Straßburg 1500. (Digitalisat)
cite-note-bock1539-1414. ↑ Hieronymus Bock: New KreĂŒtter Buch. Straßburg 1539, Buch I, Cap. 44 (Digitalisat)
cite-note-hieronymus-bock-1515. ↑ botanikus.de: Sumpf-Dotterblume (Memento des Originals vom 14. August 2010 im Internet Archive). Abgerufen am 21. April 2010
cite-note-berendes1902-1616. ↑ Julius Berendes: Des Pedanius Dioskurides Arzneimittellehre in 5 BĂŒchern. Enke, Stuttgart 1902, Buch IV, Cap. 58 (Digitalisat)
cite-note-1717. ↑ Philipp Lorenz Geiger: Handbuch der Pharmacie zum Gebrauche bei Vorlesungen & zum Selbstunterrichte fĂŒr Ärzte, Apotheker & Droguisten. Wolters, Stuttgart, 2. Band, 2. HĂ€lfte 1830, S. 1072: Caltha palustris (Digitalisat)
cite-note-1818. ↑ Wolfgang Schneider: Lexikon zur Arzneimittelgeschichte. Sachwörterbuch zur Geschichte der pharmazeutischen Botanik, Chemie, Mineralogie, Pharmakologie, Zoologie. Govi-Verlag, Frankfurt a. M. Band 5/1 (1974), S. 218: Caltha (Digitalisat)
cite-note-m-ller-1919. ↑ Anton MĂŒller: Freiburger Mundart-ABC. Rombach Verlag, Freiburg im Breisgau, 2004, Seite 17.
cite-note-pritzel1882-2020. ↑ Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, Seite 73 f. (Digitalisat).